Zukunftsmusik (Kapitel 5)

Wo Rad- und Biketourismus hinsteuern

© Dennis Stratmann · TMGS/absolutGPS

Die Ausgangslage für den Rad- und ist in Deutschland allgemein und in Sachsen im Speziellen vielversprechend. Verschiedene, teils sehr dynamische Entwicklungen im Tourismus und in der Gesellschaft wirken auf das Marktgeschehen in den nächsten Jahren. Es hilft, sie bei der Weiterentwicklung des Angebots in Sachsen zu berücksichtigen.

  • Im Kontrast zur Urbanisierung und Technisierung, bietet die Rückbesinnung auf die Natur Raum für kleine und große Fluchten. Der Aktiv- und Naturtourismus profitiert davon.
  • Die Einwohnerschaft Deutschlands altert. Viele Menschen gehen in Rente oder Pension und fühlen sich noch entdeckungsfreudig. In der Folge werden die Babyboomer eine enorme Nachfrage für bezahlbaren Urlaub im Deutschlandtourismus bis etwa 2040 verursachen.
  • Schrittweise fokussieren sich das Leben und Wirtschaften auf eine Reduktion des CO2-Ausstoßes – der Langsamverkehr profitiert davon, auch auf Reisen.
  • Vollintegrierte (Antrieb, Komponenten, Navigation) werden zum neuen Standard und machen absehbar das Gros der eingesetzten Flotte aus. Mit ihnen wird das Fahren komfortabler und die möglichen Reichweiten für Mensch und Fahrzeug steigen. D. h. Destinationsgrenzen verschwimmen weiter und Transitstrecken werden für einen Teil der Gäste müheloser.
  • Die einzelnen Kontaktpunkte in der Customer Journey werden immer digitaler. Die Marktbearbeitung reift. Das ermöglicht einerseits zielgenauere Botschaften und mit dem passenden Produkt mehr Erfolg. Es verlangt gleichzeitig eine höhere Spezialisierung der im Marketing Tätigen. Der Aufwand der Medienproduktion und die Kosten der Kundenwerbung steigen.
  • Die Medien- und Werbewelt entwickelt sich rasant – befeuert durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. Für viele Gäste führt das zu noch mehr Informationsflut, aber auch zu einem wachsenden Anspruch an Qualität und Relevanz. Plattformen und Marken, die diese Erwartungen bedienen können und über die nötigen Ressourcen verfügen, um die gesamte Klaviatur der Medien zu bespielen, werden künftig noch mehr im Vorteil sein. Diese Entwicklung ist bereits spürbar – und sie wird sich verstärken, wenn KI-basierte Assistenten künftig auf Anbieter- und Gästeseite die Reiseplanung und Buchung zunehmend selbstständig übernehmen.
  • Wenn online alles perfekt erscheint und immer verfügbar ist, wo liegen dann Differenzierungsmöglichkeiten? Voraussichtlich im Kontakt vor Ort. Echte Gastfreundschaft und die Qualität an den physischen Kontaktpunkten werden eine Renaissance erleben. Echte, nahbare Menschen, Erlebnisse und Marken bieten Orientierung.
  • Mit den Generationen Y und Z wachsen sukzessive zwei Altersgruppen nach, bei denen erstmals Erlebnisse höher bewertet werden als Besitz. Erinnerungen werden zum neuen Statussymbol – sei es das Festival-Wochenende mit Freunden, die mehrtägige Biketour oder das spontane Mikro-Abenteuer mit dem Fahrrad vor der eigenen Haustür.
  • Die Infrastruktur im Raum und bei den Gastgebern kommt in den »neuen« Bundesländern langsam in die Jahre. Gleichzeitig geraten private und öffentliche Finanzen zunehmend unter Druck. Um die notwendige Qualität im Tourismus langfristig zu sichern, gilt es, zusätzliche Finanzierungsquellen zu erschließen. Gästetaxe und Tourismusabgabe bieten dafür ein erhebliches Potenzial.
  • Nicht zuletzt die Mobilität wird von der Technologisierung massiv profitieren. Autonom fahrende (Klein)Busse, Taxis und Privat-PKW erlauben es, sowohl in der Stadt als auch im ländlichen Raum ein wesentlich dichteres und nutzerzentrierteres Mobilitätsangebot zu machen. Die im mit großer Leidenschaft diskutierten Herausforderungen rund um den ÖPNV (z. B. Abdeckung, Taktung, Fahrradmitnahme) werden an Relevanz verlieren.
  • Der Natur- und Aktivtourismus, ob Wintersport, Wandern, Radfahren oder , ist den Elementen ausgesetzt. Weniger zuverlässige meteorologische Saisonverläufe sowie das vermehrte Auftreten von Starkwetterereignissen stellen wachsende Herausforderungen für die Infrastrukturplanung und Gästeinformation dar. Fortschritte bei langfristig präzisen, lokal zugeschnittenen Wetterprognosen können diese Risiken künftig zumindest teilweise abfedern.
  • Gesundheit und Prävention gewinnen gesellschaftlich und wirtschaftlich weiter an Bedeutung – etwa durch den Ausbau der Primärprävention und betrieblicher Gesundheitsvorsorge. Die Digitalisierung eröffnet dabei neue Möglichkeiten für individuell zugeschnittene Angebote. Der Rad- und Biketourismus als gelenkschonende, moderat belastende Aktivität kann hiervon gezielt profitieren – insbesondere für die Profilierung der sächsischen Kur- und Erholungsorte bieten sich Chancen.

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